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| Durch Armenien und Kurdistan: Mit Champagner auf Karwanenpfaden - 1892
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Der baltische Baron und der Orient
• • • • • (bewertet mit 3 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Durch Armenien und Kurdistan: Mit Champagner auf Karwanenpfaden - 1892 (Gebundene Ausgabe) Der Titel des Buches ist irreführend - Nolde reiste erst durch Arabien, ehe er sich nach Armenien und Kurdistan aufmachte. Offenbar hatte er viel Geld, viel Zeit, keine Verpflichtungen und das Reisefieber. Soweit man dies aus dem Buch und dessen kurzer Einleitung erschließen kann (viel scheint man nicht über den Baron zu wissen), war er häufig unterwegs, in Spanien, in Russland, in Südamerika, Afrika, Arabien und dem Teil Kleinasiens, der Ende des 19. Jahrhunderts von den Türken beherrscht wurde. Er wirkt wie der vollkommene Gegenpol zu Wilfried Thesiger; während Letzterer genügsam Entbehrungen ertrug und sich in seiner Lebensweise seiner Umwelt anpasste, reiste der Baron - natürlich in europäischer Kleidung - in großem Stil: Champagner und Zigarren, Suppen und Gemüse aus Dosen zum Frischfleisch und ein eigener Begleittrupp von Dienern und Soldaten, auf Pferden, Maultieren und Kamelen. Wildschweine jagte er nur so zum Vergnügen (Muslime essen kein Schweinefleisch), Schlangen hasste er und ließ sie, wo immer möglich, verfolgen und töten. Nolde beobachtet klar und scharfsichtig, erkennt Stärken und Schwächen von Arabern, Türken und Kurden, weist auf Missstände (Straßenräuber, Rechtsunsicherheit) hin, hat Ideen, wie man manches bessern könnte und macht dahingehend - er verkehrt offenbar in den höchsten Kreisen - wohl auch Vorschläge. Er bewundert beeindruckende Landschaften (die wild-dramatischen haben es ihm offenbar besonders angetan) und Rassepferde. "Durch Armenien und Kurdistan" bietet so manches Wissenswerte, aber es ist ein blutleeres Buch: Der Autor wahrt immer eine gewisse Distanz zum Geschehen. Er schreibt über seine Begeisterung, aber man spürt sie nicht, er schildert haarsträubende Zustände und Ereignisse, aber man merkt keine Anteilnahme. Ich habe nie verstanden, wie Thesiger so reisen konnte, wie er es tat, aber man merkt seinen Reiseberichten an, dass er mit Leib und Seele dabei war. Hat sich der baltische Baron eine derartige gefühlsmäßige Involviertheit nicht erlaubt oder sie nur nicht schriftlich ausdrücken können oder wollen? Die im Buch geschilderte Reise fand 1892 statt. Anfang 1895 schickte Nolde den Reisebericht an seinen Verleger, dann nahm er sich das Leben. Ennui? War das Geld alle, die Gesundheit ruiniert oder gab es kein Land, kein Abenteuer mehr, das ihn noch reizte? Wir werden es wohl nie wissen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 13. August 2009 | | |
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